Problematik Klimawandel – einfach nur eine Energiewende?

Im vom Weltklimarat IPCC 2018 veröffentlichten Szenario „1.5 °C globale Erwärmung“ (ipcc) wird eine kontinuierliche Reduktion der Treibhausgase bis zu einer weltweiten Netto-Null im Jahr 2050 und deren Auswirkung beschrieben. Um dieses Ziel zu treffen, wäre es aber höchste Zeit gut koordiniert und vor allem systematisch Änderungen einzuleiten – aber welche?

Photovoltaik, Windkraft, Elektroautos und fertig?

So leicht wird es uns nicht fallen, auch wenn diese Schlagworte das Wahrnehmungsfeld zum Energieverbrauch der meisten Menschen bereits abdeckt. Wir (ver)brauchen Energie – im privaten Umfeld genauso, wie zur Produktion von Industriegütern bis hin zu Lebensmittel, für Infrastruktur und natürlich auch für Transport und Reisen, um nur ein paar Bereiche anzubringen. Die Serverfarm des Onlinehändlers braucht genauso Energie wie der Paketdienst für die Zustellung bequem bis vor die Haustür. Auch wenn in einschlägigen Studien länderbezogen von sinkendem Energiebedarf durch effizientere Anwendungen ausgegangen wird, so kann man global betrachtet bei steigendem Wohlstand in den Schwellenländern wohl kaum Einsparungen erwarten.

Egal welche Technologien wir einsetzen – JEDE beeinflusst die Umwelt!

Leider hat keine Technologie der Welt nur Sonnenseiten oder nur Schattenseiten – weder hochgelobte mögliche Energievisionen für eine zukünftige Gesellschaft, noch zum Teil einseitig geradezu verteufelte Energiequellen der Gegenwart. Dass sich Wasserkraft auf das Leben in Flüssen auswirkt ist bekannt. Dass es für größere Windkraftanlagen aus gutem Grund genauso ein, wenn auch vereinfachtes, Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren geben muss, wie für ein thermisches Kraftwerk gleicher Leistung ist schon weniger publik. Auch Biomasse erfordert eine strikt nachhaltige Waldwirtschaft und darf in keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie treten. Dass unter dem Stichwort klimaneutral in manchen Ländern auch die Atomkraft zur Energieerzeugung profitiert, kann einen wiederum erschrecken. Das Ziel in Österreich zumindest die Stromerzeugung mittelfristig ausschließlich aus erneuerbaren Energien sicherzustellen ist trotzdem ein lobenswertes und wäre ein großer Schritt. Dabei muss festgehalten werden, dass Österreich durch seinen hohen Wasserkraftanteil gegenüber anderen EU-Staaten bereits einen gewaltigen Startvorteil auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Stromerzeugung hat. Den vergleichsweise wenigen „fossilen“ Energieerzeugern kommt aktuell aber eine essentielle Aufgabe zu: die Stabilisierung des Stromnetzes!

Viele erneuerbare Energien sind so natürlich, dass wir sie nicht beeinflussen können!

Dies gilt insbesondere für Windkraft und Photovoltaik. Die kritische Größe ist dabei nicht die Energiemenge – die Herausforderung liegt vielmehr in der Bereitstellung der elektrischen Leistung, also der benötigten Energiemenge exakt innerhalb eines bestimmten Zeitfensters. Und das wiederum bedeutet, dass wir bei 100% CO2-neutralem Strom entweder große Stromspeicher brauchen, oder die Kapazität der Erzeuger erheblich überdimensionieren müssen! Sonst haben wir nicht nur an windschwachen Wolkentagen in einem trockenen Sommer ein erhebliches Problem. Ebenso herausfordernd ist die Tatsache, dass man zumindest Energie aus Wind- und Wasserkraft dort erzeugen muss, wo die Natur die geeigneten Rahmenbedingungen bereithält. Auch Pumpspeicherkraftwerke als wirksame, leistungsstarke und kapazitätsstarke Puffer im Energiesystem können nur bei bestimmten geologischen Voraussetzungen wie ausreichendem Höhenunterschied und genug natürlichem Zufluss sinnvoll realisiert werden. Und solche Regionen sind nicht zwingend nahe den Industriegebieten und Ballungsräumen mit hohem Energiebedarf zu finden. Es braucht also Hochspannungsleitungen zum Energietransfer. Aber wer will die schon vor seiner Haustür haben?

Als erfahrener Techniker neigt man mitunter zum Pessimismus…

…weil man in der Regel Vor- und Nachteile von Technologien besser einschätzen kann und sich zumindest im eigenen Fachgebiet nicht so leicht von einseitigen Beleuchtungen lenken lässt. So bleibt die Hoffnung, dass wir nicht gut gemeint im Sinne des Klimaschutzes mit Scheuklappen stur in eine Richtung, sondern offen für ALLE Technologien in die Zukunft gehen dürfen. Die oben genannte Überdimensionierung der erneuerbaren Stromerzeuger bietet zum Beispiel eine hervorragende Möglichkeit zur Erzeugung CO2-neutrale Energieträger, sogenannte E-Fuels, zur chemischen Speicherung von Überschussenergie an. Damit könnte man kurz- bis mittelfristig energieintensive oder mobile, schwer elektrisierbare Anwendungen z.B. in Industrie, Bau oder Transport, aber auch die Bestandsflotte an Fahrzeugen mit CO2-neutralem Kraftstoff betreiben. Leider nur ein Beispiel für einen Bereich der kaum im aktuellen Rampenlicht steht und so auch trotz großem und vor allem schnell wirksamen Potential in der „Steuer“-lichen Lenkung so gut wie unberücksichtigt bleibt…
„Netto-Null“, „Biomasse“, „E-Fuels“, „CO2-neutral“ sind nur einige der Schlagwörter, die uns in dieser spannenden Zeit der Veränderung begleiten. Umso wichtiger, diese Begriffe an dieser Stelle gerne auch einmal zu einem späteren Zeitpunkt aus der Sicht eines Technikers zu beleuchten.

Kontakt

Dipl.-Ing. Dr.techn.
Dieter Messner

Zivilingenieur für Maschinenbau
Allgemein beeideter und gerichtlich
zertifizierter Sachverständiger

Grazer Straße 1, AT-8522 Groß St. Florian
Tel.: 03464/20030, Fax: 03464/20030-89

 

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Adr.: Grazer Straße 1, AT-8522 Groß St. Florian
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